Susanne Hübner, mobil: 0174 5883504, mail@agentin-anna.de

 

Menschen & Geschichten

Es sind die Geschichten, die das Leben schreibt, die uns Menschen über Generationen verbinden: Geschichten der Liebe, der Freundschaft, der Leidenschaft, der Treue, der Trauer, der Sehnsucht, der Abenteuer. In Geschichten bleibt die Vergangenheit gegenwärtig. In ihnen geben wir weiter, was uns im Leben wichtig ist, an diejenigen, die uns im Leben wichtig sind. So ist es seit Menschengedenken. Doch Heutzutage drohen die alten Erzähltraditionen unterzugehen - und mit ihnen ein unwiederbringlicher Erfahrungsschatz. Darum ANNA:

ANNA schreibt Ihre Geschichte(n) auf - für die Menschen, die sie mit ihrem Leben fortschreiben werden...

 

 

 

Hier (er)zählt Ihr Wort

Früher zählte das persönliche Wort im Familien- und Freundeskreis. Doch wo einst das Kaminfeuer loderte, flimmern heute Monitore. Das Gespräch verklingt im Lärm der Unterhaltungsindustrie, die unsere Sinne mit schillernden Bildern und schrillen Tönen gefangen nimmt. Oft wissen wissen wir mehr über Personen aus der Fernseh-Soap, als über das Leben unserer Nächsten. Es wird rund um den Globus gezippt, gemailt, geschattet. Stillschweigend ist dabei das Alltagsgespräch untergegangen.

Doch vielen Menschen fehlt der selbstverständliche Zugang zu den neuen Technologien. Insbesondere denen, die nicht mit ihnen aufgewachsen sind. Was sie an Lebenserfahrungen mit anderen zu teilen haben, lässt sich nicht über Apparate mitteilen. Mit dem Verlust der Erzähltraditionen, gehen unsere kulturellen und familiären Wurzeln verloren. Darum ANNA.

ANNA hält das Wort zwischen den Generationen ...

 

 

Annas Geschichte

Die Muse von ANNA - Agentin für Erzählkulturen ist meine Großmutter. Sie konnte weder lesen noch schreiben und hat doch Geschichte geschrieben: Ihre kleine, tapfere Geschichte zwischen den Kriegsfronten der "Großen" Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ihre Handschrift lässt sich in jeder Sprache lesen; es war der Mut der Liebe.

Oma Anna, wie wir Enkel sie liebevoll nannten, war als Johanna Nazarowna Michaltchuk 1907 in der Ukraine in Schhytomyr geboren, einem kleinen Bezirk, westlich von Kiew. Hier sollte sie schon auf der Schulbank ihren späteren Mann kennen lernen: Wilim Friedrichowitsch Liebelt, Russlanddeutscher in dritter Generation. Noch im jugendlichen Alter heirateten die beiden Liebenden gegen den Willen ihrer Eltern, gründeten einen Hausstand und schenkten fünf Kindern das Leben. Doch mit dem Einmarsch der Wehrmacht fiel Wilim, der bis dahin eine Kolchose geleitet hatte, der fanatischen Willkür der staatlichen Gewalt zum Opfer. Wie seine unzähligen deutschstämmigen Leidensgenossen wurde der junge Familienvater deportiert und Anna blieb keine Wahl, als sich und die Kinder vor dem Grauen des Grossen Terrors nach Deutschland zu retten. Nach einem Jahr der Flucht kam die vaterlose Familie 1944 in ein fremdes Land, dessen wahnhaftes Regiment gerade unter einem Bombenhagel in die Knie ging. Gräueltaten unfassbaren Ausmaßes, die das Vertrauen der Menschheit in Zivilisation und Vernunft auf immer erschüttert haben, sollten erst noch zu Tage treten.

Doch Anna behielt trotz der unsäglichen Härten und Schrecken dieser Zeit den Kopf hoch. Wir Enkel fragen uns oft, wie hat diese kleine rotwangige Bauersfrau es geschafft, allein und mittellos in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht mächtig war, ein Stück Boden zu erwerben und ein kleines Haus zu bauen? Sie schaffte es! Und kaum ein Dach über den Kopf, legte Anna um das Häuschen einen großen Garten an. Aus ihm zog sie fortan die Nahrung für ihre heranwachsenden Söhne und Töchter, die inzwischen Schulen und Lehren besuchten und ihren Weg zu machen begannen. Damit war der Grundstein  für eine kunterbunte Sippschaft gelegt, die sich inzwischen in der dritten Generation in ganz Deutschland verteilt hat.

Wir Enkelkinder haben längst selbst Familien und Unternehmen gegründet; arbeiten als Wissenschaftler, Ingenieure, Journalisten, Finanzexperten und andere Spezialisten in den unterschiedlichsten Berufen. Aber auch nach dem Tod unserer Großmutter kommen wir immer mal wieder zusammen, um zu plaudern - so wie damals in Annas Garten zur Erdbeerernte oder Erbsenlese. Die Hochhaltung dieser Erzählkultur verdanken wir Anna. Denn Gedanken und Worte waren für unsere Großmutter nichts, was man für sich behalten sollte, sondern eine Gabe, die man weiter zu geben hatte; so wie die reifen Früchte etwa, die sie großzügig an jeden verteilte, der auf einen Plausch am Gartenzaun verweilte.

Heute glaube ich, das Geheimnis ihrer Kraft war diese tiefe, Nationen und Konfessionen überwindende Warmherzigkeit gegenüber einem jeden Menschen. Denn wenn Anna lächelte, öffneten sich die Herzen - auch bei jenen, die vergessen hatten, dass sie eines hatten. Und wenn sie sprach, dann hatten selbst die Sonnenblumen Ohren und der Wind hielt inne um zu lauschen.

Doch als Dreikäsehoch nimmt man Oma, ihr Lächeln und all die Gaben so unbefangen hin, wie den Sonnenschein an jenen Tagen in Annas Garten, die mir in der Erinnerung die Kindheit bedeuten. Erst spät, zu spät fragte ich mich: Woher kam meine Großmutter? Wie hatte sie in ihrer Heimat gelebt? Wie war alles gekommen? Wie hatte sich sich durch all die schlimmen Erfahrungen den Glauben an das Gute im Menschen bewahrt? Doch als in mir die großen Fragen erwachten, war  Anna schon krank und schwach und einmal war sie schließlich auf immer entschlafen. Ich konnte sie nichts mehr fragen. Auch nicht nach ihrem Wilim, meinen Großvater, auf den Anna übrigens, allem gut meinenden Zuredens zum Trotz,  niemals abgelassen hatte zu warten.

Nach ihrem Tod habe ich oft gedacht: Wie schön wäre es, wenn jemand die Geschichte von Großmutter, die doch so gern erzählte, nieder geschrieben hätte! Wie schön wäre es, wenn es ein Büchlein gäbe, das wir einmal Annas Urenkeln und Ururenkeln vermachen könnten, wenn in ihnen die großen Fragen erwachen.

Da kam mir die Idee zu ANNA - Agentin für Erzählkulturen, als Vermittlerin zwischen den Generationen. Denn bestimmt gibt es viele "Annas" auf der Welt, die etwas zu sagen haben, auf Fragen, die sich ihren Enkeln einmal stellen werden. Fragen, für die Kinder noch keine Worte haben und auf die sie als Erwachsene oft keine Antworten mehr bekommen können...